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Reise in ein großes Land

Auch während der Brasilienreise war Raimund Spierling selten ohne sein Skizzenbuch anzutreffen. Seine Landschaftsmalereitechnik allerdings, die mit großem Materialaufwand stets vor Ort stattfindet und sich konventioneller Materialien und Mischtechniken bedient, musste nun neu erfunden werden. Letztlich hieß es Ressourcen sparen, denn das bisher übliche Set von Acryl- und Aquarellfarben, verschiedensten Kreiden, flächigen und strukturierten Papieren sowie einzucollagierende Fundstücke konnte nicht transportiert werden. Das heißt Reduzierung. Ein kleines Papierskizzenbuch, wenige Stifte, eine Smartphonecamera und ein Mini-iPad mussten genügen, um vor Ort Hand- und Fotoskizzen zu machen. Diese wurden während der Reise digital zusammengefügt, übermalt und überzeichnet. 

Das Ergebnis: malerisch-collagenhafte Arbeiten in hoher Auflösung in mehreren Layern. Die Skizzen im Buch ab Seite 68 demonstrieren die digitale Collagetechnik. Hier wurde meist nur eine Foto- mit einer Zeichnungsebene kombiniert. Die Landschaftsarbeiten sind wesentlich komplexer und setzen sich aus einer Vielzahl von Ebenen in unterschiedlichen Transparenzen zusammen. 

Die Ausgabe für die Düsseldorfer Ausstellung erfolgte auf Acrylglas und Alu-Dibond in den Formaten 81 x 33 und 122 x 51 cm. Die Arbeiten wurden ohne Rahmen gehängt. Die Ausstellung in der Brasilianischen Botschaft in Berlin wurde mit 24 großen Formaten auf hintermalten Acrylgläsern bestückt.

Landschaft plus

Die wenigsten der Arbeiten, etwa die Wasserfälle des Iguacu und um Bonito, zeigen pure brasilianische Naturlandschaften oder Wildnis. Selbst im „Mato Grosso“, an Wasserfällen oder in den Flussläufen des Amazonasgebiets lässt sich menschliches Wirken nicht übersehen und wird Teil des Bildes. Spierling fügt stets einen gestalterischen Kontrapunkt ein und bringt die Landschaftsimpression in einen neuen Zusammenhang. Der anscheinend undurchdringliche Regenwald wir durch einen leuchtend roten Hydranten ergänzt, der Straßenhändler findet sich im Amazonaswasser wieder, die Poolpräsentation an der Ausfallstraße drängt sich in den Urwald. Eine andere Vorgehensweise ist die Addition von zwei grafisch strengen Elementen. Sie wird deutlich in den Werken „Anaconda 1“, „Amazonas 5, 12 und 14“. Fast alle Arbeiten aus der Rio-Serie, verschränken auf dramatische Weise Stadt und Natur und schaffen eine eher bedrohliche Stimmung. Allen Arbeiten gemein, und dem Licht und den leuchtenden brasilianischen Farben geschuldet, ist die expressive Pinsel- und Strichführung mit starken Farbkontrasten – Spierling bleibt sich auch in der digitalen Maltechnik treu. Während der vierwöchigen Reise entstanden über 60 Landschaftsarbeiten und zahlreiche Skizzen.

Ja, ich will

Den Abschluss dieses Katalogs bildet die Serie Areal, Impressionen der Hochzeitsfeier von Manuela und Mathias. Die Akteure wurden in neue Bildräume gesetzt, architektonische Versatzstücke werden ebenso wie Landschaftsteile zur Bildbühne auf der das Leben spielt.